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21.02.2017  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Volker Rost

BMW Cafe Racer von Marcus Walz


Zeit ist ein wertvolles Gut, doch davon haben professionelle Customizer in der Regel wenig übrig. Trotzdem hat sich Bikebuilder Marcus Walz vorgenommen, endlich mal ein Motorrad für sich zu bauen – so entstand in seinem Walzwerk eine BMW R 80 RT ganz nach seinen Vorstellungen: reduziert, leicht, sportlich


Es ist Fluch und Segen zugleich. Du lebst deinen Traum, gibst dich deiner Leidenschaft hin, bist kreativ und ständig am Erschaffen von zweirädrigen Skulpturen, die anderen Spaß und Freude bringen. Deine Arbeit erfüllt dich. Trotzdem stellst du am Ende des Tages fest, dass dir etwas fehlt: Das Motorrad, das du schon immer für dich selbst bauen wolltest. Marcus Walz bildet da keine Ausnahme. Nach Jahren im Dunst schwerer Chopper mit fetten Hinterreifen, kann er sich endlich den leichten, agilen Bikes hingeben, die nur eine Maßgabe kennen: totale Performance. Ein Segen für einen Racer, der seine Freizeit am liebsten auf der Rennstrecke im Kampf gegen die Elemente und schnelle Gegner verbringt. Mit seiner Manufaktur WalzWerk-Racing hat der Hockenheimer einen neuen Lebensabschnitt eingeläutet und kümmert sich seitdem nur noch um Fahrmaschinen, die ihrem Treiber Erfüllung auf der Straße bringen, nicht im Showroom.

Nach über 20 erfolgreichen Jahren mit Walz Hardcore Cycles baut Marcus Walz heute lieber das, was ihm im Blut liegt. In seinem WalzWerk entstehen heute sportliche Racingbikes

Zur Entstehung des Beamers meint Marcus: »Also die BMW hatte ich ursprünglich für mich selbst gebaut. Mit ihr wollte ich an einer Rennserie für klassische Motorräder hier in Europa teilnehmen. Entsprechend habe ich das Bike auch konfiguriert und die spezifischen Teile dafür ausgewählt.«
Die Basis bildet eine »blitzsaubere« BMW R 80 RT, Baujahr 1987, die er aus erster Hand ersteht – der Besitzer ist Rentner. Gemäß dem Rennserien-Reglement beginnt der Aufbau: zweiteilige Bremscheiben von Brembo vorn, 2-Kolben-Bremssättel sowie 18-Zoll-Felgen sind vorgeschrieben. Kontakt zur Fahrbahn schaffen moderne Gummis von Conti. Die Race Contact Classic sehen zwar alt aus, bieten aber beste Performance und sind nicht mit den abenteuerlichen Pneus aus alten Renntagen vergleichbar. Lediglich fürs Shooting verirren sich die Firestones ans Bike.

BMW Cafe Racer von Marcus Walz

Im weiteren Verlauf entrümpelt Marcus den Rahmen, entfernt Überflüssiges und trennt den schweren, serienmäßigen Heckrahmen ab. Ein kurzes, aber vor allem sehr leichtes Heck gibt der BMW den entsprechenden Racing-Look. Vorm Lenkkopf zieht sich eine Carbon-Halbschale elegant um die Gabel und lässt einen Teil des Tanks strömungsgünstig im Windschatten verschwinden. Die Scheibe ist eine Einzelanfertigung, Marcus konnte keine passende auftreiben.  Den Optimierungen für den Rennbetrieb fällt auch die Batterie zum Opfer. Sie wird schwerpunktgünstig unterhalb des Getriebes platziert. Zudem wiegt der Lithium-Ionen-Speicher nur noch luftige 800 Gramm. Das alles ist dem Racing-Freak nicht genug. Selbstverständlich müssen auch MotoGP-Parts an den Beamer. Stummellenker von Gilles Tooling und verstellbare Hebel von LSL. Ebenfalls eine Einzelanfertigung ist das höhenverstellbare Federbein, das YSS liefert. Das Wichtigste, das Herzstück eines jeden Motorrads, bildet der Antrieb einer BMW R 100 RS, der mittels Siebenrock-Kit auf 1070 Kubik vergrößert wird. Innereien wie Nockenwelle, Kurbelwelle, Pleuel und Zylinderköpfe lässt er überarbeiten. Die Leistung schätzt Marcus realistisch mit gut über 80 PS ein. 

BMW Cafe Racer von Marcus Walz

Ein Aufwand, der sich lohnt, da die BMW extrem erleichtert wurde und in Verbindung mit dem Boxermotor für sehr gute Fahrleistungen sorgen wird. Vom Original bleiben am Ende nur noch Hauptrahmen, Schwinge, Kardan, Tank und Felgen übrig. Kurz vor Fertigstellung ereilt Marcus schließlich doch noch der Fluch des Schöpfers. Er hat den Beamer mit ans Glemseck genommen. Eine fatale Entscheidung, denn an Europas großem Cafe-Racer-Treffen findet sich die Zielgruppe für solche Umbauten. Und so springt Marcus’ privates Bike auch einem Käufer ins Auge, der es unbedingt haben muss. Der Preis ist ihm egal. Die finale Aufgabe für den Hockenheimer: Servus sagen, noch Scheinwerfer, Rücklicht, Blinker und Kennzeichenhalter montieren. Das war‘s dann.


Technische Daten

Model: BMW R 80 RT
Baujahr: 1987
Erbauer: Walzwerk Racing

Motor: Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, Siebenrock-Kit, 1070 ccm
Vergaser: Bing
Luftfilter: offene Trichter
Auspuff SC-Project
Getriebe: Fünfgang
Sekundärtrieb: Kardan
Leistung: k.A.

Rahmen: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, modifiziert
Gabel: BMW K 100 RS
Schwinge: BMW
Federbein YSS
Räder: BMW-18-Zoll-Gussräder
Reifen: vo. und hi. Firestone
Bremsen: Brembo Zweikolben-Bremssättel, zweiteilige Bremsscheiben

Tank: BMW
Sitzbank/Heckteil: Walzwerk
Verkleidung Walzwerk Carbon
Fender: Walzwerk
Paintjob: Chiko’s Pinstriping

Leergewicht: unter 180 kg
Radstand: 1465 mm

Infos: www.walzwerk-racing.com

Text: Christian Heim
Bilder: Volker Rost

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