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09.08.2017  |  Text: Michael Ahlsdorf  |   Bilder: Christian Heim
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VG Dynamight von Simon's Custom


Wir begleiten die zauberhafte Verwandlung einer Serien-Dyna in einen oldschooligen Starrrahmen-Chopper. Gebaut wurde das lässige Bike von Simon’s Custom aus Viernheim – mit Zulassung und allem Pipapo


Starrrahmenfahren ist anders, und es tut nicht nur weh. Es klingt absurd, aber der Charme eines starren Hinterteils besteht darin, dass ihr es nicht spürt. Der Hintern reagiert einfach nicht auf Lastwechsel. Er hebt sich nicht, er senkt sich nicht, weder beim Bremsen, noch beim Gasgeben. Er drückt das Bike einfach nur nach vorne.
Okay, über die spürbaren Kleinigkeiten, wie Bodenwellen, Schlaglöcher und Straßenbahnschienen, wollen wir kein Wort verlieren. Aber die spürt ihr jeweils nur einmal, denn ein starrer Rahmen federt ja nicht nach. Also Zähne zusammenbeißen und genießen. Der Lohn dafür ist ein cooler Auftritt und eine nicht zu überbietende cleane Optik.
Jahrzehntelang wart ihr mit einem Starrrahmen immer ein bisschen auf der Flucht. Zwar waren sie für Oldtimer immer zugelassen, aber wer zum Beispiel einen starren Chopper fuhr, der stand stets im Verdacht, nicht mehr einen echten, betagten Rahmen verwendet zu haben, sondern einen »Schwedenrahmen«. Es war nicht wirklich legal, auf so einem Bike noch unter einer Erstzulassung aus den 50er Jahren zu fahren.
Starrrahmen als Neuzulassung waren in den 90er Jahren Glückssache. Die meisten Prüfstellen ließen sie nicht zu. Wer das trotzdem schaffte, musste dann wiederum mit handtellergroßen Blinkern und Kuchenblechen fahren. Das wollte sich auch niemand geben. Jetzt haben die Zeiten sich geändert. Und das verdanken wir ausgerechnet der europäischen Einigung. Unter europäischem Recht ist die Zulassung starrer Rahmen wieder einfacher geworden, Kuchenblechkennzeichen gibt’s auch nicht mehr. Alles weitere verdanken wir der modernen LED-Technik, die Blinker und Rücklichter verschwinden lässt, als führen wir tatsächlich ein Vorkriegs-Bike, auf dem wir noch den Richtungswechsel mit Handzeichen ankündigen dürfen.



Die Umrüstung auf einen echten Starrrahmen ist also möglich. Das erledigt zum Beispiel die Customschmiede Simon’s Custom in Viernheim. Chef Stephan Simon hatte Anfang der 90er Jahre die Rechte eines schwedischen Herstellers für sogenannte »Austauschrahmen« gekauft. Gussformen gehörten auch dazu. Und so entstand mit diesem eisenhaltigen Startkapital eine enge Partnerschaft mit dem in den Niederlanden residierende Rahmenhersteller »VG Motorcycle«, die bis heute währt. Das technische Prinzip ist einfach. Die Komponenten einer originalen Harley können komplett in den Starrrahmen eurer Wahl umgetopft werden: Motor, Getriebe, Gabel, Räder, Tank. Die Schwinge braucht ihr natürlich nicht mehr, die könnt ihr also verkaufen. Das gleiche gilt natürlich für den originalen Harley-Rahmen. Rechtlich wird dann aus der Harley ein Eigenbau-Motorrad gemäß den Zulassungsbestimmungen des Umbau-Jahres. Diese Zulassungsbestimmungen werden von Jahr zu Jahr schärfer. Hier empfiehlt es sich also, möglichst bald zuzuschlagen. Irgendwann, so Simon, kommt zum Beispiel die ABS-Pflicht für Neuzulassungen. Die würde dann auch für eine Starrrahmenmaschine von Simon’s Custom gelten. Technisch ist das lösbar, Simon würde schon einen geeigneten Platz finden, um die Steuerung für das ABS unterzubringen, aber es würde eben auch teuer werden.



Wie sich das mit dem Platz für die Unterbringung der Komponenten verhält, haben wir an der Verwandlung einer Serien-Dyna von Harley-Davidson zu einer oldschooligen Starrahmen-SWC mal durchexerziert. Natürlich stellt sich dann heraus, das Theorie allein nicht genügt. Wer’s selbst machen will, wird schnell vor unerwarteten Problemen stehen. Das fängt bei der Elektrik an, erklärt Simon. Der alten Kabelbaum kann nämlich nicht komplett übernommen werden. Im Zuge der optischen Bereinigung der Dyna muss Simon ganze Komponenten umpflanzen. Wohin zum Beispiel mit dem elektronischen Steuermodul, das sich bei einer originalen Harley unter einem dickleibigen Sattel befindet? Simon fand einen Platz hinter dem Batterie-Cover. Dort hinein steckte er auch zahlreiche weitere Komponenten, darunter das Zündschloss. Das ging natürlich nur, indem er die Batterie wiederum unterhalb des Batterie-Covers platzierte. Ein anderes Problem ist der Tank. In dem steckt bei modernen Harleys die Benzinpumpe für die Einspritzanlage. Es lässt sich also nicht mehr so leicht ein neuer Tank zusammendengeln, wie zu Zeiten der Saug-Vergaser. In diesem Fall fand Simon eine kluge Lösung. Den dicken Originaltank tauschte er gegen den Tank einer serienmäßigen Sportster Forty-Eight. Darin steckt nämlich auch eine serienmäßige Benzinpumpe, die allemale verlässlicher ist als eine externe Benzinpumpe aus dem Zubehör, die ihrerseits irgendwo versteckt werden müsste. Gar nicht so schlimm war das mit dem neuen Tacho von Motogadget. Der musste tatsächlich nur umgesteckt werden. So lange die Reifen den gleichen Umfang haben und die Übersetzung sich nicht ändert, ändern sich auch nicht die Werte des Tachos.



VG-Rahmen sind übrigens auch für dicke 300er Reifen zu haben. Obendrein sind die Rahmen bis zu einer Leistung von 200 PS zugelassen. Hier ist also noch eine Menge Luft nach oben für’s Motor-Tuning. Zumal eine Custom-Kur dieser Art im wörtlichen Sinne eine Kur ist: Weil zum Beispiel eine gewichtige Schwinge entfällt, speckt das Motorrad ab. Die Dyna ist 40 Kilo leichter als das Original.
Motor-Tuning hat die hier präsentierte Dyna übrigens nicht bekommen. Trotzdem zeugt sie von High End-Customizing, das seinen Preis kostet. Alles geht auch ein paar Stufen niedriger, das Rahmenkit kostet 2450 Euro und der Preis einer kompletten Operation beginnt bei 6500 Euro. Voraussetzung ist natürlich ein sauberes Spender-Motorrad. Wenn alle Komponenten original sind, ist auch die Zulassungsstelle willig und trägt sie ohne weitere Prüfungen oder Komplikationen um.
Die ehemalige Harley-Davidson Dyna Street Bob heißt in den Papieren nunmehr übrigens »Dynamight«. Ja, ihr könnt euch im Fall einer Neuzulassung auch den Namen eures Motorrades aussuchen. Wenn das allein nicht schon genug Grund für einen Umbau ist ...

Techno

Freestyle VG »Dynamight«, BJ 2015
Erbauer: Simon’s Custom

Motor: Zweizylinder-Viertaktmotor, ohv-Zweiventiler, 1585 ccm (Bohrung/Hub 95,3 x 111,1 mm)
Luftfilter: SF Parts
Auspuff: Simon’s Customs
Getriebe: Sechsgang
Sekundärtrieb: Belt
Leistung: 76 PS bei 5350 /min
Drehmoment: 123 Nm 3125 /min
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h

Rahmen: Freestyle VG-Starrrahmen
Gabel: Dyna Street Bob
Gabelbrücken: Müller 5°
Räder: vorn 19 Zoll, hinten 21 Zoll
Bremsen: vo. und hi. Scheibe

Tank: Sportster Forty Eight
Öltank: H-D
Sitzbank: Biltwell/Simon’s Custom
Lenker: Superbike
Instrumente: motogadget
Fender: Simon’s Custom
Paintjob: Chikos Pinstriping

Leergewicht: 265 kg
Radstand: 1600 mm

Info:
www.simonscustom.de

Text: Michael Ahlsdorf
Bilder: Christian Heim

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Ausgabe 9/17 erscheint am 25. August

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Stand:23 August 2017 04:09:43/bikes/vg+dynamight+von+simons+custom_178.html