Vespa mit 349 Kubik

11.08.2017  |  Text: Jens Kratschmar  |   Bilder: Matthias Dahl
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Vespa mit 349 Kubik
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Hamburgs streitlustigste Wespe und ein Ampelkiller mit ordentlich Krawall im Helmfach – das ist die Vespa PX80 von Marek Nachlik – mit Husqvarna Motor und 50 PS unterm Arsch
Herrje, schon wieder so ein rollendes Hindernis, das zweitaktend an der Ampel nach vorne knattert und die Pole Position einfordert. Aber immerhin, eine Vespa mit Blechhintern, wenigstens was mit Stil. Jedem das seine, aber so … bing … Ampel grün. Das vermeintlich 80 ccm große Motörchen brennt einen Blitzstart in die Rushhour, dass einem die Kinnlade ziemlich heftig auf den eigenen Tank knallt. Jetzt aber schnell sortiert, die Gänge nahe dem Begrenzer durchgeladen und, uff, tatsächlich vorm nächsten Rot das ölbrennende Projektil noch weggeschnupft. Haarscharf an der Schande vorbeigeschrammt. Was ist das für ein Krawallteil? Auf dem Parkplatz und bei ’ner Fischsemmel gibt’s anschließend eine Lehrstunde in Zweiradmechanik und Blecharbeit. 



Marek aus Hamburg hat die PX80 von Grund auf neu gebaut. Herz des Ganzen ist ein 349 ccm Husqvarna Motor aus einer WR 360 Crossmaschine. Um die 50 PS fallen damit über das Vespachassis her, der Wahnsinn. »Im Grunde ist es nicht schwer, einer Vespa 50 PS zu entzaubern, nur ist der Originalmotor weiterhin auf 12 PS ausgelegt«, erklärt der Vespa-Fan bereitwillig. »Daher fliegen einem regelmäßig die Triebwerke um die Ohren.« Standfeste 50 PS in einer Vespa war also der Traum, der in Erfüllung gehen sollte. Leichter gesagt als getan, denn in Sachen Rahmen bietet die Vespa nur gepresstes Stahlblech als Basis. Das ist mit dem großen Motor und neuem Getriebe deutlich überfordert. Drei weitere Heckteile von Schlachtwespen mussten dran glauben, um die 20 Kilo Mehrgewicht des Motors stabil zu tragen. Die Kraft muss aber auch auf die Straße, die Schaltung und Wasserkühlung des Einzylinders brauchen ebenfalls etwas Zuwendung. Ein langer Blick auf die Lösungen von Eric Buell gaben Inspiration, um die Federkräfte von Heck und Antrieb zu nehmen und das Federbein von Wilbers schließlich unter dem Vehikel zu platzieren. CNC-gefräßte Halterungen allerorts lassen erneut die Fähigkeiten erkennen, die hier Anwendung fanden. Die Handschaltung des Originals sollte beibehalten werden, die Husky bietet aber nur Fußschaltung. Ein Magnetschaltersystem für fußversehrte Motorradkrieger wurde an den Umbau angepasst. Mitgedacht und geil gemacht! Als der Rohling schon auf dem Kopf lag, wurde auch gleich ein Plätzchen für den Wasserkühler gefunden. Ob der auf Dauer dort dicht bleiben kann, wird sich zeigen, aber Marek ist immer noch dran neue, bessere Lösungen zu finden.

Die einzige Wespe mit 50 Pferdestärken – das riecht Ampelsprint mit Profigeschmack

Wo 50 PS rausgehen, müssen ebendiese auch wieder eingebremst werden. Das übernehmen angepasste Bremsen aus dem Motorradbau in Form einer Scheibenbremse vorne und einer Trommel hinten. Bedächtig schleicht man um den verrückten Umbau herum und nickt anerkennend den einzelnen Bauteilen zu. Da muss Marek aber schon wieder weiter – er zieht ordentlich am Kabel und mit leicht erhobenem Vorderrad ballert die Ten Inch Terror in Richtung Elbtunnel. 



Techno

Vespa PX80, BJ 1982/2015
Erbauer: Marek Nachlik

Motor: wassergekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor, 349 ccm (Bohrung/Hub 78 x 73mm)
Vergaser: Keihin PWK 35
Luftfilter: Marchald
Auspuff: Pipedesign One-Off
Sekundärtrieb: Kette
Getriebe: Sechsgang, Handschaltung und Kickstarter
Leistung: ca. 50 PS bei 9500 /min
Höchstgeschwindigkeit: k.A.

Rahmen: Pressstahlrahmen, angepasst und verbreitert
Gabel: Vespa Rally
Schwinge: Eigenbau
Federbeine: vorn BGM F16, hinten Wilbers
Räder: vorn 90/90-10, hinten 130/70-10
Bremsen: vorn Eigenbau mit 4-Kolbensattel, hinten Trommelbremse aus Honda CB 750

Zubehör
Tank: Eigenbau im Handschuhfach
Sitz: Eigenbau
Armaturen: motogadget
Instrumente: motogadget Motoscope pro
Lampe Adjure: LED
Elektrik: motogadget m-unit

Leergewicht: 145 kg
Radstand: 1350 mm

 
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Stand:17 December 2017 08:56:02/bikes/vespa+mit+349+kubik_178.html