Suzuki Lowbudget-Cafe-Racer

04.10.2017  |  Text: Christian Heim  |   Fotos: Christian Heim
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Suzuki Lowbudget-Cafe-Racer
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Von der Straße verschwunden und im Bewusstsein einer ganzen Motorrad­generation verschüttet, warten unzählige Bikes an staubigen und dunklen Orten auf ihre Erweckung. So wie diese Suzuki, die mehr als zwanzig Jahre, zur Bewegungsunfähigkeit verdammt, in einem Carport verbrachte
In den vergangenen Jahren hat sich unsere Gesellschaft gewandelt. Die Schnelllebigkeit dominiert unseren Rhythmus und Trends kommen genauso schnell, wie sie wieder verschwinden. In vielen unserer Lebensbereiche hat Hightech Einzug gehalten, regiert eine immer komplexere Elektronik, regeln Sensoren die immer umfangreicher werdenden Datenströme und erzeugen in uns verstärkt den Wunsch nach Entschleunigung und vor allem Einfachheit.

Ein altes Motorrad in Kombination mit modernen Elektronikkomponenten: René wollte nicht auf die Vorzüge des 21. Jahrhunderts verzichten

Da sich auch die Motorrad­industrie nicht dem Wandel entziehen kann und uns regelmäßig mit Motorrädern lockt, die nach einem mehrere hundert Seiten starken Handbuch  verlangen, nur um überhaupt die Grundeinstellungen von Motoransprechverhalten, Traktionskontrolle und ABS zu verstehen, begeben wir uns auf die Suche nach den Motorrädern aus der »guten alten Zeit«, jener Zeit, als die Welt vermeintlich einfacher war und nicht alles in unserem Leben bis ins kleinste Detail von Elektronik geregelt wurde. Es sind jene Bikes, die uns keine Angst machen, die wir noch verstehen, die von uns geführt werden wollen und die so wandelbar sind, dass wir daraus unsere Träume basteln dürfen.

Renés Bike hat ein trostloses Dasein hinter sich. Einst war die Suzuki GS 750 der Stolz des japanischen Motorradbauers. Mit ihrem kurzhubig ausgelegten Reihenvierzylinder und den beiden oben liegenden Nockenwellen war sie bei ihrem Erscheinen Mitte der siebziger Jahre das Topmodell mit Viertaktmotor. Doch das ist lange her. Die wenigen erhaltenen Modelle sind kaum noch auf der Straße zu sehen, meist warten sie unter Abdeckplanen oder an vergessenen Orten darauf, dass junge, interessierte Menschen sie entdecken.

Ärger gab‘s mit der ersten Lackierung, da passte nichts. Erst im zweiten Anlauf wird dann alles gut

Die Suzuki von René hatte das Glück. Mehr als zwanzig Jahre steht sie einsam in einem Carport, sogar angemeldet. Gefahren wird sie jedoch nicht, dient lediglich als Rabattgeber für eine Kraftfahrzeugversicherung. Der Zahn der Zeit nagt an ihr und fahrbar ist sie auch nicht mehr. Für René spielt das keine Rolle, er will der Suzuki zu einem neuen Motorradleben verhelfen. Bezahlen muss er für die Suzuki nichts, der Vater seiner ehemaligen Freundin gibt sie ihm auch so und einen Haufen Teile gleich mit dazu.

Und so wechselt die GS 750 E nicht nur den Besitzer, sondern auch ihr tristes Dasein, tauscht es gegen die Hoffnung, irgendwann wieder auf der Straße frei rennen zu dürfen. Doch der Start in die neue Existenz ist holperig. Zwei weitere Jahre wird es dauern, bis René zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder das Projekt angeht. Dazwischen liegen unzählige Ideen, die nach einer Entscheidung verlangen. Ihr zukünftiger Treiber hat in seiner bisherigen Motorradkarriere überwiegend Supersportler und Supermotos bewegt. Alles Bikes, die für Dynamik und Schräglagen stehen. Von Gelassenheit keine Spur. Was also läge näher, die Suzi in einen angesagten Cafe Racer zu transformieren?

Suzuki GS 750 - Lowbudget-Umbau

Doch René hadert, schließlich meint er, dass sie als Bobber eine genauso gute Figur machen könnte. Aber die Rahmengeometrie macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Somit setzt sich am Ende doch noch der Cafe Racer durch. Eine gute Entscheidung.

Ende des vergangen Jahres zieht sich die motorradbesessene Familie in die Werkstatt zurück und startet das Vater-Söhne-Projekt. Bruder Marco ist gelernter Kfzler, Vater Jürgen ein Perfektionist, der nicht die geringste Schlampigkeit duldet und jeden Kompromiss zugunsten von Zeitersparnis verachtet. Von ihm haben die Brüder auch die Leidenschaft fürs Schrauben und die Motorräder.

Er übernimmt die Blecharbeiten, nachdem die Suzuki gestrippt und der Rahmen von allen möglichen Ösen, Haltern und sonstigen Geschwüren befreit wurde. Schlank soll sie werden, ohne unnötigen Ballast und Zubehör. Deshalb schmeißt René auch den Kabelbaum raus und lässt sich von Bruder Marco einen neuen bauen. René möchte trotz aller Liebe zu dem Youngtimer auf moderne Elektronik setzen, die aber nur die wichtigen Aggregate sowie die Beleuchtung­ versorgt. Das muss reichen.­­­ 

Suzuki GS 750 - Lowbudget-Umbau

Bei eBay wird ein Cafe-Racer-Heck ersteigert, der Rahmen anschließend angepasst. Unterm Strich sind es viele Kleinigkeiten, die die meiste Zeit fressen. Teile suchen, anpassen, wieder ändern, neue Lösungen suchen. Es ist der normale Prozess, dem jeder unterliegt, der schon einmal ein Motorrad mit Zubehörteilen verändert hat. Einfach dranschrauben klappt in den seltensten Fällen und funktioniert schon mal gar nicht so »easy«, wie es uns eine ganze Motorradzubehörindustrie glauben machen will. Doch die Familie beißt sich durch, verfolgt konsequent das angestrebte Ziel, ersetzt defekte Teile, repariert, restauriert. 

Noch bevor das Motorrad fertiggestellt ist, erkrankt der Vater schwer und es ist nicht sicher, ob er den Rollout noch erleben wird. Die Brüder trifft das so hart, wie es einen treffen kann. Sie machen aber zusammen weiter, bleiben am Ball und lassen sich auch nicht durch eine rumzickende Vergaserbatterie aus der Bahn werfen. Egal, was sie probieren, beim Gasgeben geht die Kiste immer wieder aus. Zusammen mit ihrem Vater kommen sie dem Problem dennoch auf die Spur.

Sie zerlegen die Vergaser bis auf die letzte Schraube, setzen sie komplett gereinigt wieder zusammen und stellen enttäuscht fest, dass das Problem noch immer besteht. Es ist der Zufall oder vielleicht die Intuition, die sie zu den Düsen für die Luftzufuhr führt. Diese unscheinbaren Bauteile machen auf den ersten Blick einen intakten Eindruck, beim genaueren Hinsehen jedoch zeigt sich, dass sie abgebrochen sind. Somit bekommt der Motor nicht das richtig angereicherte Gemisch und ertrinkt im Sprit. Nach dem Einbau neuer Düsen macht die Suzuki keine Zicken mehr, schnurrt wie am ersten Tag, als sie die Fabrik in Hamamatsu verlassen hat.

Suzuki GS 750 - Lowbudget-Umbau

Fast scheint es, als würde der Umbau reibungslos zu Ende gehen, dann aber reißt die Lackierung nicht nur ein Loch ins Budget, sondern verschiebt auch die Vorführung beim TÜV nach hinten. Die Lackarbeiten sind, um es vorsichtig zu sagen, bescheiden ausgeführt und René entschließt sich, alles von einem anderen Lackierer neu machen zu lassen. Eine bittere Pille, die mit sechshundert Euro extra bezahlt werden muss. Aber der Aufwand ist gerechtfertigt, die Suzuki strahlt in reinem Weiß mit braunen Kontrasten und zieht Aufmerksamkeit, wo immer sie auch steht. Auch der TÜV erteilt abschließend seinen Segen und gibt die GS 750 für die Straße frei. 

Das gemeinsame Familien-Projekt findet seinen Abschluss und wird gleichzeitig ein Nachlass für René und Marco, denn im Spätjahr stirbt der Vater. Was bleibt, ist eine lebendige Erinnerung an die Zeit, in der gemeinsam geschraubt, gelacht und geflucht wurde – und ein weißer Cafe Racer, der ein neues Leben begonnen hat und einen unschätzbaren ideellen Wert besitzt.

Am Gasgriff
Das einstige Topmodel unter Suzukis Vierzylindermotoren strahlt in neuem Glanz. Mit gezielten Mitteln wurde hier ein altes Modell aus seiner Haut geschält und neu eingekleidet

Kostenaufstellung
 
Teil Hersteller Preis
Motorrad geschenkt 0,00
Pulverbeschichten Fachbetrieb 600,00
Benzinhahn-Rep.-Satz Zubehör 19,90
Vergaserteile Mikuni 83,50
Taster und Steuerung Racetronics 335,60
Kennzeichen selbstleuchtend Zubehör 133,60
Lenkkopflager Zubehör 41,69
Cafe-Racer-Heck eBay 172,90
Kupplungs- und Bremshebel V-Trec 79,99
Bremsflüssigkeitsausgleichbehälter ABM 53,91
Lackierung Fachbetrieb 600,00
Spiegel Highsider 44,95
Tacho T & T 150,00
Blinker vorn und hinten Zubehör 120,00
Rücklicht Zubehör 20,00
Sitzbankbezug Sattlerei 150,00
Scheinwerfer Zubehör 250,00
Kleinteile Zubehör 137,65
Kupplungsarmatur GSX-R K3 Suzuki 18,90
Schwingenlager Suzuki 33,80
Lenkkopflager Zubehör 41,69
Summe Umbauteile gesamt:   3.046,39 Euro




























 
Technik
Suzuki GS 750 E | Bj. 1980
Besitzer: René Ritz
Erbauer: Jürgen, Marco-Jürgen und René

Motor
Vierzylinder-Viertakt, dohc-Zweiventiler
748 ccm (Bohrung/Hub 65,0 x 56,4 mm)

Luftfilter: original
Vergaser: Vier Mikuni VM26SS
Auspuff: Eigenbau 4-in-1-Anlage
Getriebe: Fünfgang
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 63 PS bei 8800 /min
Drehmoment: 52 Nm bei 8100 /min

Fahrwerk
gecleanter Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Heckrahmen gekürzt, 
neuer Hilfsrahmen 

Gabel: Teleskopgabel, original
Gabelbrücke: gecleant
Federbeine: original
Räder: vorn 19-Zoll-Speichenrad mit 3.25-19 54H, hinten 18-Zoll-Speichenrad mit 4.00-18 64H
Bremsen: vorn original Doppelscheibenbremse, hinten Scheibenbremse

Zubehör
Tank: original mit Verlängerung
Lenker: Fehling-Lenkerstummel mit Highsider-Spiegeln
Schutzblech: vorn original, modifiziert, hinten neuer Radlauf
Sitz: Eigenbau
Heck: Cafe-Racer-Heck, modifiziert
Armaturen: Racetronics-Taster
Hebel: V-Trec-Dreifingerhebel
Instrumente: Tumbleton & Twist-Tacho
Seitenteile: Eigenbau aus Blech
Scheinwerfer: original
Elektrik: Eigenbau-Kabelbaum

Metrie
Leergewicht: 246 kg
Radstand: 1490 mm
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Stand:16 December 2017 12:09:17/bikes/suzuki+lowbudget-cafe-racer_17928.html