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21.07.2017  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Christian Heim
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Projekt Yard Built 2017 - Marcus Walz und die XSR700


Das Yard-Built-Finale: Die Yamaha XSR700 von WalzWerk-Racing ist pünktlich fertig geworden und feiert auf dem Wheels-and-Waves-Festival ihre Premiere


Und wieder sind zwei Wochen ins Land gezogen, seit ich das letzte Mal was vom Yard-Built-Bike gesehen habe. Die Teile sind beim Lackieren und sollten eigentlich schon zurück sein. Jetzt bin ich es, der Druck hat. Es ist Mittwoch, das Wetter beschissen und die Kiste soll noch fotografiert werden. Schon am Montag wird Yamaha sie abholen und nach Biarritz bringen, wo die Präsentation der insgesamt acht Yard-Built-Bikes im Rahmen des Wheels-and-Waves-Festivals stattfinden wird. 
Nervös greife ich zum Telefon und erfahre, dass das Bike noch nicht ganz fertig ist. Dennoch vereinbaren wir für Sonntag ein Shooting auf dem Hockenheimring. Bis dahin sollte auch das Wetter passen.



Dann am Freitag die Planänderungen. Marcus kann am Sonntag nicht, ob wir auf Samstag vorziehen können? Shit, schnell umplanen, den Streckenmeister der nordbadischen Rennstrecke anfragen, ob das überhaupt geht. Die Zusage kommt prompt, obwohl gerade der Aufbau fürs Onkelz-Konzert begonnen hat. Aber wir brauchen nicht viel Platz. Dafür dürfen wir auf die Rennstrecke, genialer Zug. Endlich eine passende Location, um die umgebaute XSR 700 abzulichten. Noch dazu passt das Wetter, die Sonne knallt vom Himmel, und Wunder, oh Wunder, das Bike ist auch fertig geworden.

Als Marcus die Yamaha aus dem Bus holt, funkelt mich der Lack an. Tiefrot bis orange-golden leuchtet die Farbe. Chiko hat mal wieder ganze Arbeit geleistet. Zusammen mit dem schlichten, klassischen Design der 70er Jahre Yamahas wirkt das extrem gut. Überhaupt ist die XSR ein kleines Schmuckstück geworden. Vergessen die Strapazen, die Scherereien und Abhängigkeiten von Fremdfirmen. »Es ist, wie ich gesagt habe. Am Ende, wenn das fertige Bike vor dir steht, freust du dich einfach nur noch«, erinnert sich Marcus an seine Worte. Und so ziehen wir ungestört unser Fotoshooting durch. Während am anderen Ende in der Sachskurve die letzten Vorbereitungen fürs Open-Air-Konzert laufen, genießen wir das, wie ein Kollege zu sagen pflegt, natürliche Habitat, in dem sich die XSR jetzt befindet.

Zu gerne würde ich mich jetzt draufsetzen und das Ding durch die Nordkurve brennen. Doch nicht mal Marcus traut sich das. Noch sind wir vor der offiziellen Präsentation. Bloß kein Risiko eingehen und in Übermut verfallen. Meine Aufforderung nach einem Burnout fürs Foto quittiert Marcus mit seinem für ihn inzwischen typischen: »Longaaa, der Motor hat noch null Kilometer, der muss erst eingefahren werden. Nicht, dass das Ding verreckt.« Recht hat er, das wäre oberpeinlich. Nach zwei Stunden verziehen wir uns wieder aus der sengenden Sonne. Alles im Kasten.

Faster Sons – der Name ist Programm. Die XSR700 ist eine hervorragende Umbau-basis für alle, die es sportlicher mögen

Ortswechsel: Donnerstag, Fronleichnam, bundesweiter Feiertag. In Biarritz empfangen uns tiefhängende Wolken und leichter Nieselregen. Unfassbar, drei Stunden zuvor hatten wir bestes Wetter und fast dreißig Grad. Verkehrte Welt. Dafür ist die XSR 700 unbeschadet an Frankreichs Südwestküste angekommen. Zusammen mit Aaron Lang von Yamaha Deutschland fahren wir mit den Motorrädern von unserer Unterkunft in Bayonne nach Biarritz ins »Village«, wie das Festivalgelände auch genannt wird. Hier werden am Donnerstagnachmittag erstmals  die Yard-Built-Bikes präsentiert. Am Freitag geht es dann rüber nach Spanien, wo das Punks-Peak-Sprintrace stattfindet. Die Yard-Built-Teilnehmer treten mit ihren Umbauten im K.-o.-System gegeneinander an. Ein echter Härtetest, den alle Bikes trotz ihrer nagelneuen Motoren ausnahmslos bestehen. Es gibt keine Ausfälle. Marcus kickt im ersten Lauf die Engländer von Down & Out raus. Ausgerechnet. Was hatten wir zuvor mit ihnen noch rumgescherzt, dann aber den Gedanken an so eine zufällige Auslosung verworfen. Doch dann schlägt das Schicksal zu und die englische Yard-Built-Maschine hat beim Sprint das Nachsehen. Doch »Karma is a bitch«.



Im zweiten Lauf dreht sich alles zu Ungunsten von Marcus und seiner Yamaha. Die Starterin verzögert einen Moment und der Gegner kommt einfach einen Tick schneller weg. Raus im zweiten Lauf. Anyway, ein Riesenspaß vor beeindruckender Kulisse war es trotzdem. Samstag dann endlich keine Termine mehr. Zeit, auch die anderen Yard Builts genauer anzuschauen. Es sind tolle Entwürfe darunter, bei denen so mancher grenzwertig erscheint. Die Yard-Built-Regeln werden nicht von allen so genau genommen. Yamaha Europe scheint es auch egal zu sein. Den Besuchern sowieso, die interessieren sich nicht für irgendwelche Regeln. Für die Bikes dafür umso mehr. Yard Built, das ist für Yamaha ein Erfolgskonzept und für die Customizer fast so etwas wie eine Verkaufsgarantie. Marcus jedenfalls strahlt am Samstagabend über beide Backen. Sein Bike ist bei den Besuchern eingeschlagen. Besonders der knackige Heckumbau zieht Aufmerksamkeit und die Anfragen nach dem markanten Teil häufen sich. 

Ob er über eine Kleinserie nachdenkt? »Das werde ich jetzt wohl müssen. Hätte nicht gedacht, dass die XSR so gut ankommt.« Vielleicht ist es diese Schlichtheit, die den Reiz ausmacht. Und die Basis gibt es sowieso zum günstigen Kurs. Da bleibt viel Luft für Umbauteile.

TECHNISCHE DATEN​ Yamaha XSR 700 Apex-Ruler

Erbauer: Marcus Walz
Motor: Zweizylinder-Viertaktmotor, dohc-Vierventiler, flüssigkeitsgekühlt 
Hubraum: 689 ccm
Bohrung/Hub: 80,0 x 68,6 mm
Einspritzung: Original mit Powercommander V 
Luftfilter: K&N mit geänderter Airbox
Auspuff: SC-Project
Getriebe: Sechsgang
Sekundärtrieb: 520er-Racingkette
Leistung: ca. 82 PS bei 9000 /min
Drehmoment: k. A.
Höchstgeschwindigkeit: k. A.
Brückenrohrrahmen
Gabel: Serie, Wilbers, voll einstellbar
Gabelbrücken: Serie
Schwinge: Serie
Federbein: Wilbers, voll einstellbar 
Rad vo.: Rotobox Carbon mit 120/70 ZR 17
Rad hi.: Rotobox Carbon mit 200/50 ZR 17
Bremsen vorn: Doppelscheibe
Bremsen hinten: Scheibenbremse
Zubehör
Tank: Serie 
Tankdeckel: WalzWerk-Racing 
Verkleidung: WalzWerk-Racing
Heck: WalzWerk-Racing
Sitzbank: WalzWerk-Racing 
Schutzblech: WalzWerk-Racing
Instrument: Motogadget
Metrie
Leergewicht: 158 kg
Radstand: 1405 mm
Info: www.walzwerk-racing.com

AM GASGRIFF
Ein Bike, wie man es sich ab Werk wünschen würde. Freche Optik, kurzes Heck, betonte Sportlichkeit. Die XSR 700 von WalzWerk Racing glänzt mit Handlichkeit und Performance.

Text: Christian Heim
Bilder: Christian Heim

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Ausgabe 11/17 erscheint am 27. Oktober

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Stand:18 October 2017 07:52:00/bikes/projekt+yard+built+2017+-+marcus+walz+und+die+xsr700_177.html