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04.09.2017  |  Text: Katharina Weber  |   Fotos: Benjamin Grna
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One of a kind


Yaniv Evans Panhead war der Besucherliebling der kalifornischen Born Free Show im Jahr 2013 und gewann damals den »Peoples Choice«-Award. Auch wir hatten für das Bike gevotet – weil es eine der besten Arbeiten war, die wir seit langem gesehen hatten


»Indian Larry und Shinya Kimura«, es kommt wie aus der Pistole geschossen, als wir Yaniv Evan nach seinen Vorbildern fragen. Und eigentlich hätten wir es ja auch selbst wissen müssen. Ein Tributebike zu Gunsten von Legende Larry hatte der gebürtige Israeli doch schon vor ein paar Jahren gebaut. Und dass die Handwerkskunst eines Kimura Vorbild für alle ist, die selbst am liebsten Metall bearbeiten, ist auch klar. Es ist inzwischen ein paar Jahre her, als wir Yaniv das letzte Mal in seiner Werkstatt »Powerplant Choppers« in Los Angeles besuchten. Und eigentlich war für den  Trip nach SoCal ein Besuch bei ihm in Hollywood nicht vorgesehen. Schließlich war es die Born Free Show, auf die wir unseren Fokus richten wollten.

Powerplant Panhead, by Yaniv Evan

Als wir aber auf der Show Yanivs Panhead sahen, rief dieses Bike eine Faszination hervor, der wir uns nicht entziehen konnten. Zwei Tage nach der Born Free fuhren wir also nach LA, um das Bike für euch im Bild festzuhalten. Gerade noch rechtzeitig, bevor die »P-16« auf die nächste Show gebracht wurde. Yaniv war dementsprechend very busy, aber so kannten wir ihn bereits. Wie einer dieser Flummibälle hüpfte er umher, schnitt Grimassen, redete und redete, begrüßte Leute, die zu Besuch kamen, telefonierte und klärte uns zwischen all dem Wahnsinn über sein neuestes Werk auf.

»Ich brauche das gewisse Nichts und möchte keine offenen Kabel an meinen Bikes sehen«

Powerplant Panhead, by Yaniv Evan

»Als ich die Einladung bekam, für Born Free ein Motorrad zu bauen, sagte ich sofort zu. Man kann sich dem auch gar nicht entziehen, eine bessere Show, um sein Können zu zeigen, gibt es nicht«, erklärte er. Yaniv hatte bereits im Jahr davor für Born Free gedengelt, geschweißt und gebaut, sein Bike für 2013 sollte eine nächste Evolutionsstufe des Vorjahres-Builds werden. Um seine Vorstellungen eines komplett handgemachten Custombikes im Stile der 60er Jahre auf die Straße zu bringen, suchte er sich für den technischen Bereich zwei Firmen als Partner. Er wusste, dass er allein mit der Ausarbeitung seiner optischen Vorstellungen zeitlich am Limit sein würde, also musste er die motorseitigen Arbeiten an Experten abtreten.

Sponsoring deluxe: Der Doppelvergaser stammt wie der Motor von S&S

S&S und Baker waren die zwei großen Companys, die das Projekt unterstützten. So lieferte S&S einen seiner 94cui-Panhead-Series-Aggregate nach Hollywood aus, und Baker kümmerte sich um das Vierganggetriebe für den V2. »Ich bin beiden Partnern zu großem Dank verpflichtet«, erklärte der Top-Customizer. »Sie haben nicht nur die Parts geliefert, sondern waren immer bereit, mich mit Ratschlägen zu versorgen, als ich das Bike zusammenbaute.« Doch bevor das so weit war, stand ein ungeheures Arbeitspensum vor Yaniv – neben seinem normalen Tagesgeschäft wohlgemerkt. Basis für den Kracher ist der eigenhändig gefertigte Starrrahmen mit einfachem Unterzug, für den der Südkalifornier nahtlosen DOM-Stahl – einen gerollten, harten Werkstoff – verwendete, den er mit seinen eigenen Maschinen in die gewünschte Form bog. 

»Jedes Motorrad, das ich baue, baue ich grundsätzlich so, wie es mir gefällt. Meine Kunden wissen das«

Wochenlange Handarbeit
Die fast 70 Jahre alte original Springergabel, die der Perfektionist selbstverständlich komplett überarbeitete und polierte, stellte er eng an den Gooseneck-Frame, die Gabelrohre enden quasi im Nichts, »bei so einem Aufbau darf man niemals eine Vorderbremse verbauen, das würde jede Authentizität nehmen«, erklärte Yaniv, der zumindest hinten gnädig eine Trommel bremsen lässt. Doch bleiben wir am Frontend. Der sanft gebogene Lenker ist eine Form, auf die sich Yaniv ein Patent hat geben lassen, »meine Entwicklung, mein Markenzeichen, auch handgefertigt«, wie er stolz erzählt. Und in perfekter Harmonie mit der eigenwilligen Lampenmaske, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint. Aber auf den zweiten Blick perfekt an dieses Motorrad passt. Auch sie natürlich ein eigens gefertigtes Teil, für dessen Formen Yaniv eine Metallplatte zurechtbog, um anschließend mit dem Hammer die endgültige Form auszuschlagen.

Kupferner Deckel als Krönung auf dem Edelstahl-Tank. Um das Metall weitestgehend sichtbar zu lassen, verzichtete Yaniv auf eine allzu heftige Lackierung. Ein bisschen »Secret Blue« musste reichen

Ähnlich der Benzintank aus Edelstahl, den er über Wochen bearbeitet und schließlich auf Gummis montiert, damit ja nichts wackelt und scheppert. Und er versieht das Gefäß mit der für ihn typischen Finne, dieren Form sich bis zum Heck zieht und ihr Ende auf der Endkappe des – natürlich – selbstgedengelten Fenders findet. Solche Detaillösungen sind Yanivs Spezialität und er treibt sie hier auf ein Wahnsinnsniveau. Dass zum Beispiel die Auspuffanlage steil nach oben ragt, ist keine Neuerung. Dass aber ein Rohr innerhalb des Rahmens und das andere außerhalb läuft, sieht man nicht jeden Tag. Und selbstverständlich sind alle Halterungen, die das wunderbare Konstrukt an seinem Platz halten, reine Handarbeit.

Powerplant Panhead, by Yaniv Evan

Genauso wie jede Fußraste, jedes Bit, jede Schraube und jedes Fittig, der Tankdeckel und das »Powerplant«-Plättchen auf dem Öltank, der nur zur Hälfte Tank ist und auf der anderen Seite die Batterie versteckt. Die Besessenheit des Yaniv Evan bei diesem Motorrad geht sogar so weit, dass er einen Ständer für das Bike konstruiert, aus einer alten Gilera. In den zwei Wochen vor Born Free schließt Yaniv seinen Laden, um sein Masterpiece in Ruhe zu vollenden. Der Aufwand wurde mit dem Besucher-Pokal bei der großen Show belohnt. Völlig verdient, denn Yaniv Evan war zu diesem Zeitpunkt einer der besten, weil akribischste, unter Kaliforniens Customizern. Und sein Credo sticht sowieso: »Take the stock and make it flow«

Am Gasgriff
Wer als Bikebuilder zur Born Free Show geladen wird, der muss eine Regel befolgen: Das gebaute Motorrad muss voll fahrfähig sein und auf zwei Rädern zu Show gelangen. Yaniv steckte die 50 Meilen auf der Pan locker weg – es war seine Probefahrt, das Motorrad war erst wenige Stunden zuvor fertig geworden
 
Technik
S&S Panhead »P-16« | Bj. 2013

Motor
S&S 93 cui-V-Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler, 
1524 ccm (Bohrung/Hub 92,1 x 114,3 mm)

Zündung: S&S
Ölsystem: S&S
Vergaser: S&S Dual Throat 
Luftfilter: P-16 by Powerplant
Auspuff: P-16 by Powerplant
Getriebe: Baker Viergang Handschaltung
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 85 PS bei 5700 /min
Drehmoment: 118 Nm bei 4000 /min
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

Fahrwerk
Powerplant Einschleifen-Stahlrohr-Starrrahmen

Gabel: Harley-Davidson Springer
Räder: vorne 3.25-21, hinten 4.00-18
Bremsen: vorne keine, hinten Trommel 

Zubehör
Tank: P-16 by Powerplant
Öltank: Powerplant
Sitzbank: Powerplant 
Lenker: Powerplant
Armaturen: Cole Foster, modifiziert
Lampenmaske: Powerplant
Fender: Powerplant
Fußrasten: Powerplant
Lackierung: »Sonny Boy Paint«, Los Angeles

Metrie
Leergewicht: 240 kg
Radstand: 1540 mm

Info
Powerplant Choppers
www.powerplantchoppers.com

Text: Katharina Weber
Fotos: Benjamin Grna

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Ausgabe 10/17 erscheint am 29. September

Im Huber-Verlag erscheinen auch:


Stand:26 September 2017 09:27:09/bikes/one+of+a+kind_17904.html