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24.02.2017  |  Text: Christian Heim  |   Bilder: Christian Heim

Kodlin Racing Sportster


Kodlin Motorcycles ist eigentlich für extreme Umbauten bekannt, und in den letzten Jahren vor allem auch für aufwendig gestaltete Bagger. Dass es aber auch sportlicher geht, beweist Fred Kodlin mit seinem Label »Kodlin Racing«


Fred Kodlin gehört zweifelsohne zu den Pionieren im Customizing – nicht nur in Deutschland. Unvergessen seine zahlreichen innovativen Umbauten wie die »Shine« oder »F-Rod«. Doch im hessischen Borken widmet man sich auch der gesamten Bandbreite an Harley-Davidson-Modellen, und das seit über 35 Jahren.

Wer etwas Sportliches sucht, kommt bei Harley-Davidson nicht an den Sportstern vorbei. Auch wenn der Name Programm zu sein scheint, in Milwaukee definiert man »Sport« immer noch etwas anders als im Rest der Welt. Die Sportster-Modelle sind keine Leichtgewichte: Harley gibt als Leergewicht für eine Iron 883 satte 256 Kilogramm an, inklusive Betriebsstoffe, aber ohne Sprit. Zudem liegen die Dinger recht  nah am Asphalt und zerkratzte Auspuffanlagen und abgeschliffene »Angstnippel« unter den Fußrasten sind bei Fahrern, die es auch gerne mal flott angehen, keine Seltenheit.

Um den Fahrspaß zu erhöhen und der ehemaligen Iron 883 zu mehr Agilität zu verhelfen, haben sich die Spezialisten aus Hessen natürlich auch ums Fahrwerk gekümmert

Auspuffanlage »Kodlin Racing«: Satter Sound und optisch geil

Hier hat man bei Kodlin Motorcycles den Handlungsbedarf erkannt, denn wo Sportster draufsteht, da soll Sport auch drin sein. Als Basis für die »Kodlin Racing«-Serie setzen die Spezialisten in Borken auf Harleys Einstiegsmodell, die Iron 883. Fred und sein Sohn Len, der seit ein paar Jahren voll im Geschäft arbeitet und mitentwickelt, sind dem Schwermetall mächtig zu Leibe gerückt. Als Erstes wurde die schwere Vierkantschwinge durch eine filigrane Rundrohreigenkonstruktion ersetzt, die schweren Räder durch leichtere RevTech-Alus getauscht und am Frontend eine formschöne Upside-down-Gabel des italienischen Spezialisten O.D.C. installiert. Auch der Tank der serienmäßigen Iron 883 musste weichen. Ein Drag-Specialties-Spritbehälter thront nun dort, von Kodlin modifiziert. Verschwunden ist auch das pummelige Heck, das normalerweise an der Sportster prangt. Hier haben sich Fred und Len für eine Konstruktion aus Stahlblech entschieden. Insgesamt wirkt die Heckpartie vor allem optisch leichter, betont das 18-Zoll-Hinterrad und trägt ebenfalls zur Gewichtsreduktion bei. Unterm Strich erreichen die Customizer eine Ersparnis von rund zwanzig Kilogramm. Das ist mehr als respektabel und trägt zur Verbesserung des Handlings bei.

Um der Sportster mehr Durchschlagskraft zu verleihen, wurde der Motor mit einem 1200-Kubik-Kit von S&S versehen. Statt 69 PS leistet das Aggregat nun stolze 10 PS mehr. Das klingt zunächst wenig, doch mehr Hubraum bedeutet auch mehr Drehmoment. Wie sich das im Fahrbetrieb auswirkt, wollten wir natürlich selbst erleben. Also hat Len die Sportster kurzerhand nach Mannheim gebracht, damit wir sie ein wenig über unsere Hausstrecke im Odenwald treiben konnten. Als ich das Bike »live« vor mir stehen sehe, denke ich nur: »Sportlich, sportlich«. Schade, dass die Company seinerzeit die XR1200 aus dem Sortiment genommen hat, jetzt müssen es wieder die Customizer richten. Und Kodlin hat richtig hingelangt. Die Sitzposition mit dem hohen Lenker ist komfortabel und leicht vorderradorientiert. Die Füße ruhen auf Mid-Shifts und sorgen für eine gute Kontrolle übers Bike. Kein Problem also, ordentlich Druck auf die Rasten zugeben, um die Schräglage auszuloten.

Das Heckteil ist eine Eigenkonstruktion und wird komplett im Hause Kodlin aus Stahl gefertigt

Eine Upside-down-Gabel und andere Stoßdämpfer halten das Bike perfekt in der Spur, ohne auf ein wenig Fahrkomfort zu verzichten

Mit kehligem Grummeln erwacht der auf 1200 Kubik aufgepumpte Motor, knurrt mürrisch durch die Kodlin-Abgasanlage und will gefordert werden. Also ab auf die Hausstrecke, hier gibt es genügend Kurven und schlechten Asphalt, um die Fahrwerkseigenschaften auszuloten.  Willig zieht der V2 los, setzt, auch dank geflashtem Steuergerät, sämtliche Gasbefehle sauber um. Anblasen auf die nächste Kurve, kurz ankern, umlegen und durchziehen. Ich bin beeindruckt, mit einer Iron 883 hat das nichts mehr gemeinsam, das fühlt sich eher nach Supernakedbike an. Die Einscheibenbremse ist völlig ausreichend, auch wenn sie nach einer hart zupackenden Hand verlangt. Eine Bank sind die Niederquerschnittsreifen von Avon. Auch wenn der Hinterreifen gut drei Zentimeter breiter ist, in Kombination mit dem Vorderrad funktioniert das sehr gut. Genauso wie das Fahrwerk, das deutlich straffer, dafür aber auch wesentlich präziser geworden ist, und es liefert genaue Rückmeldung, was da unter mir passiert.
Keine Frage, so sollte eine Sportster sein. Das haben sie bei Kodlin Motorcycles nahezu perfekt umgesetzt.
 

Text: Christian Heim
Bilder: Christian Heim

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