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21.04.2017  |  Text: Katharina Weber  |   Bilder: Asterisk
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Harley-Davidson FXS – Asterisk Tenth


So schlicht, so gut – es bestätigt sich unser Verdacht, dass nur ein Japaner eine Harley wie diese bauen kann


»Es ist nichts dran und doch alles«, erklärt Hideki Hoshikawa seine Harley mit japanischer Ruhe. Im zehnten Jahr des Bestehens seiner Firma »Asterisk« hat er sie gebaut, deshalb trägt sie auch diesen Namen: Die Zehnte! Früher hat Hideki an Kawasakis geschraubt, heute ist er den Harleys mit Leib, Seele und Schraubenschlüsseln verschrieben. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er Asterisk in Miyagi, etwa 350 Kilometer nördlich von Tokio.

Sein Stil ist nicht zu beschreiben, denn er hat keinen eigenen. Saubere Chopper, provozierende Metallkreaturen, hochbeinige Tracker – alles hat der Mann schon gebaut. Nur eines ist allen Motorrädern aus Hidekis Schmiede gleich, sie verfügen über hervorragend aufgebaute Motoren und eine klare Linie, so verstörend diese auch manchmal sein mag. Fürs Jubiläumsmotorrad dagegen blieb er japanischer Zurückhaltung treu, es war der Wunsch seines Kunden.

Harley-Davidson FXS – Asterisk Tenth

Nummer zehn begann ihr Leben als Harley FXS, Baujahr 1981, importiert aus den Staaten, um als Basis für den Bobberaufbau zu dienen. Freilich blieb vom Original nicht viel übrig, nicht mal der komplette Rahmen. Das Rahmenheck wurde entfernt, die Federbeine gestrichen. Hideki konstruiert ein neues Heck in Softail-Optik, perfekt designt für ein cleanes Bike wie dieses. Die Rohre für den Heckrahmen wurden von Hand gebogen. Um das Finish perfekt auf den Vorderteil des Rahmens abzustimmen, wurden Teile wie Achsteller und Motorhalterungen neu gestaltet, der Rahmen wirkt nun wie aus einem Guss. Der Mustang-Style-Tank ist eine dreiteilige Sonderkonstruktion, bei der die zwei Tankhälften mit einem gerippten Mittelstück verschweißt wurden, das dieselben Effekte trägt, wie die vorher genannten Rahmenteile. Die Springergabel wurde von Hand poliert und montiert. Hingucker sind die Räder, die komplett bei Asterisk entstanden. Gold eloxierte Felgen kombinierte Hideki mit verchromten Speichen und schwarz eloxierten Nippeln. Im Vorderrad bremst eine Kustom-Tech-Minitrommel nur vage, die hintere Scheibe stammt ebenfalls aus der italienischen Teileschmiede.

Design und Handwerk in perfekter Linie: Das komplette Heckteil wurde neu konstruiert, die Rohre sind handgebogen. Auch Verbindungsstücke und Motorhalterungen wurden neu gestaltet, so wirkt das Fahrwerk wie aus einem Guss

Die große japanische Handwerkskunst setzt sich in zurückgezogenen Rabbit Ears fort oder zeigt sich am hinteren eng überm Rad sitzenden Kotflügel, der nur eine einseitige Halterung besitzt. Und schaut euch den polierten, gefinnten Abstandshalter an, der die Position des Primärs festsetzt, dazu eine gebogene, scheinbar schwebende Sitzpfanne, filigran mit dem oberen Rahmenrohr verbunden. Auch den eingesetzten S&S-Panhead-Motor beließen die Japaner nicht original. Aufgewertet mit neuer Nocke, Zündung, Kupplung und mehr, setzt er außerdem das Retro-Thema des Motorrades fort. So erhielten die Zylinder einen Anstrich in dunklem Metallic-Grau, das Gehäuse bekam ein Guss-Finish. Die Abdeckungen für Primärtrieb und Luftfilter entstanden in Handarbeit und greifen die Optik der vorderen Radnabe und des gerippten Motorgehäuses auf.

Auch der handgefertigte Luftfilter bleibt im gleichen Design, Kabelstränge sind fast unsichtbar entlang der Innenlinien des Rahmens verlegt

Nachdem alle Anpassungsarbeiten er- ledigt und Tank sowie Rahmen unterwegs zum Verchromen waren, war für Hideki Zeit, andere mit Arbeit zu versorgen. Der Lederkünstler Jimmy Dope erhielt die Sitzpfanne, um für sie einen Ledersitz nach Maß zu fertigen. Detailreich setzte er die Vorgaben um, der fertige Sitz erinnert an einen Vintage-Fahrradsattel. Zurück vom Verchromen erhielten Rahmen und Tank von Makoto ihr Lackfinish in Schwarz mit goldenen Linierungen.

Fürs große Finale fertigte das Asterisk-Team einige gedrehte Messingelemente und Instrumente. Fußrasten, Kabelführungen, Bremsschläuche, die entlang der Innenlinien des Rahmens laufen, oder der Tankdeckel sind nur einige der Details, die im eigenen Haus entworfen und gebaut wurden. Auf den ersten Blick mögen diese kleinen Feinheiten nicht ins Auge fallen, aber im Gesamten ergeben sie eine Stimmigkeit, die uns schlucken lässt. Und damit nicht genug, denn jetzt  kommt der wirklich unglaubliche Teil dieser Geschichte.

Harley-Davidson FXS – Asterisk Tenth

Der Zeitrahmen, in dem Asterisks Zehnte gebaut werden sollte, betrug einen Monat. Der Kunde wollte damit nämlich unbedingt an der Bikeshow in Yokohama teilnehmen. Hideki erfüllte die Vorgaben und erbrachte einmal mehr den Beweis, wie fokussiert japanische Customizer auf ein Ziel hinarbeiten.
 

Technische Daten

Harley-Davidson FXS
Bj. 1981
Erbauer: Asterisk Cycle Works

Motor
S&S-Panhead-V-Zweizylinder-Viertakt,
ohv-Zweiventiler,
1207 ccm (Borhung/Hub 87,3 x 100,8 mm)

Nocke: Andrews
Vergaser: S&S Super E
Luftfilter: V-Twin
Zündung: Dyna S
Kupplung: Barnett
Auspuff: Asterisk Cycle Works
Getriebe: Viergang
Primärtrieb: Primo
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 58 PS bei 5700 /min
Drehmoment: 92 Nm bei 3200 /min
Höchstgeschwindigkeit: 164 km/h

Fahrwerk
H-D-Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen,
geändertes Rahmenheck

Gabel: W&W Springer
Räder: vo. und hi. Asterisk Cycle Works
Reifen: Coker
Bremsen: vo. und hi. Kustom Tech

Zubehör
Tank: Asterisk Cycle Works
Öltank: Asterisk Cycle Works Aluminium
Sitzbank: Jimmy Dope
Lenker: Asterisk Cycle Works
Griffe: Biltwell
Armaturen: Kustom Tech
Fender: Asterisk Cycle Works
Fußrasten: Asterisk Cycle Works
Paintjob: M&K Makoto Color

Metrie
Leergewicht: 230 kg
Radstand: 1550 mm

Info
www.asteris9.com
 

Text: Katharina Weber
Bilder: Asterisk

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Stand:26 September 2017 09:17:24/bikes/harley-davidson+fxs+-+asterisk+tenth_174.html