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04.10.2017  |  Text: Katharina Weber  |   Bilder: Ben Ott
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Harley-Davidson FLH Shovelhead – Tribute to Ale


Schwarz und Weiß, keine Kompromisse – Billys Shovelhead wurde zum Fahren gebaut


»Es ist ein besonderes Motorrad, weil es mich an besondere Menschen erinnert«, erzählt Billy. Dabei wollte er eigentlich keine Shovelhead haben, vielmehr war er drei Jahre lang auf einer Harley Slim unterwegs, spulte 70000 Kilometer auf die Karre. Die Fahrten werden weniger, als Billy seinem guten Freund Alex beisteht, der gegen den Krebs kämpft. »Alex war ein Oldschooler, ein Customizer, ein Recycler. Er sprach immer über alle möglichen Motorräder, aber wenn er das Wort Shovel sagte, schwang da noch mehr mit: Leidenschaft! Er war ein Shovelfan durch und durch.« Billy besuchte seinen Freund oft, sie sprachen über Billys Touren nach Deutschland, Grimaud oder zum Wheels and Waves, und sie sprachen über Shovelheads, »es war einfach Alex’ wichtigstes Gesprächsthema.« Zeit für Billy, sich selbst nach einer umzusehen, »ich wollte wissen, was er damit meint und wie es sich anfühlt. So fand ich dieses Bike.«

Harley-Davidson FLH Shovelhead – Tribute to Ale

Als Billy seine Shovel kaufte, war die schon umgebaut, trug einen Teilemix in teilweise schlechtem Zustand mit sich rum. Aber sie sprang auf den ersten Kick an, »es war ein Wow-Effekt, einfach brutal und direkt«, erinnert sich Billy. In der Werkstatt von Alain Batistella – BAC Artisanat Chopper – wurde das Bike umgestrickt. Alte Teile flogen raus, neue kamen dafür zum Einsatz, vor allem der hintere Fender war zuvor ein Schandfleck. Auch entschieden sich die beiden für einen neuen Lenker, das Aufziehen von dicken Firestones auf die 16-Zoll-Felgen und eine schwarze Lackierung. Mit wenigen Maßnahmen wurde der Look in nur drei Wochen deutlich verändert. »Das Bike wurde fertig, um damit auf Alex Beerdigung zu fahren.«, sagt Billy. Anfang Dezember 2016 war der Freund verstorben, Billy fuhr sein Bike den Winter durch. »Jedes Mal, wenn ich in die Garage kam, fiel mein Blick auf meine Slim. Ich nahm aber immer die Shovel.«

Das Jokerfest in Hamminkeln bei Thunderbike stand fest im Terminkalender des Franzosen, es war März, also noch gute drei Monate Zeit. »Ich wusste, wenn ich dort bei der Bikeshow antreten wollte, brauchte ich ein gutes Motorrad. Entweder so ein richtig fettes Customding oder einen fucking Oldschooler, der die Leute berührt. Zweiteres passt besser zu mir«, war sich Billy sicher. Er entschied sich, dem Bike neues Leben einzuhauchen – das dritte in sechs Monaten. Diesmal konzentrierten er und Alain sich auf den Motor, der komplett überholt wurde und unter anderem neue Nocken, Zylinderköpfe und die geilen Rockercover von EMD bekam. Denn schließlich sollte das Bike nicht nur auf einer Show glänzen, sondern die zwölfhundert Kilometer dahin  auf eigener Achse ohne Probleme bewältigen. Billy war die Strecke bereits im Vorjahr gefahren und wusste, was ihn erwartet.

Harley-Davidson FLH Shovelhead – Tribute to Ale

Neben den Arbeiten am V2 wurde ein Mustang-Tank montiert und der Lenker erneut geändert, dazu neue Fenderstruts, ein neuer Federsattel und einige alte Autoteile, die Billy auf Teilemärkten erstand. Roman Boyer setzte Billys Idee einer Schwarz-Weiß-Streifenlackierung um, bei Insidern wird dieses Farbmuster gern als »Fuck Stock« bezeichnet. »Und ich bin ein bisschen süchtig nach Stickern, da kamen auch noch ein paar mehr drauf«, erzählt Billy.

Drei Tage vor dem Jokerfest bei Thunderbike ist die Shovel fertig, zu knapp, um den Motor vernünftig einzufahren. Und das ist bei einer solchen Aufbaukur einfach unerlässlich. Zähneknirschend trailert der Franzose das Bike nach Deutschland. Eingefahren wird es dann am Niederrhein, bei Touren mit dem Thunderbike-Team und nicht zuletzt bei unserem Fotoshooting. Mittlerweile hat er viele Kilometer abgerissen, »nicht nur für mich, sondern auch für Alex.« Und für Nicolas, den Mitgründer der Firma EMD, der kurz vor Drucklegung dieser Ausgabe bei einem Autounfall starb. »Schreibt auch seinen Namen unbedingt mit in den Text, sie sollen beide nicht vergessen werden.«
 
Technische Daten
Harley-Davidson FLH Shovelhead |  Bj. 1977
Erbauer: Billy Paar, Alain Batistella

Motor
V-Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler,
1340 ccm (Bohrung/Hub 88,8 x 108 mm)

Zylinderköpfe: STD
Rockercover: EMD ZCR Special Edition
Nocken: Jim’s
Vergaser: Keihin
Luftfilter: Dragtron Star
Auspuff: STD-Pipes, Upsweet Mufflers
Getriebe: Viergang, Handschaltung
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 70 PS bei 5900 /min
Drehmoment: 107 Nm bei 4400 /min
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h

Fahrwerk
H-D-Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen

Gabel: H-D Springer
Räder: vo. und hi. Electra AMF 16 Zoll
Reifen: vo. und hi. Firestone Champion Deluxe
Bremsen: vo. und hi GMA-Scheibe

Zubehör
Tank: Mustang
Öltank: Horseshoe
Sitzbank: Le Pera
Lenker: Hollywood Softail Slim Bar
Griffe: Cole Foster
Instrumente: Speedometer
Lampe: Zubehör
Rücklicht: Citroen
Spiegel: MCS
Fender: vo. keiner, hi. Flatfender
Sissybar: Vintage-Eigenbau
Fußrasten: Jay Brake
Lackierung: Dirty Fuel by R.Boyer

Metrie
Leergewicht: 240 kg
Radstand: 1550 mm

Text: Katharina Weber
Bilder: Ben Ott

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