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19.07.2017  |  Text: Katharina Weber  |   Fotos: Volker Rost
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Harley-Davidson Chop Bob


Ein Jahr lang baute Pistl an seiner Harley Shovel – und ließ sich auch von Rückschlägen und dem Murren seiner Frau nicht aus dem Konzept bringen


„Ich bin ein Baumensch“, erzählt uns Robert Kneidl, von seinen Freunden nur Pistl genannt. Der Bayer verdient seine Brötchen schließlich als Bauleiter einer Massivhaus-Firma. Privat baut er auch, Motorräder logischerweise. Das brachte ihm vor ein paar Jahren den Titel „Best Chopper“ auf unserer CUSTOMBIKE-Show 2009 ein.

Vor zehn Jahren hätte man mich mit diesem Bike in der Szene ausgelacht

Damals hatte Robert einen wunderschönen Schwedenchopper mit nach Bad Salzuflen gebracht. Jetzt trumpft er mit einer schlanken Harley-Davidson Shovelhead auf. Der Privatschrauber, der schon mit 14 die ersten Mofas frisierte, ist auf Harley fixiert. Nur kurz fuhr er Intruder, bevor er 1986 die erste Milwaukee-Karre auf der Werkbank hatte. Dem aktuellen Oldschool-Hype wäre Robert bei seinen Customs gerne schon vor zehn Jahren gefolgt: „Ich fand schmal, leicht und einfach schon immer gut. Aber in den 90ern hätten sie dich mit solchen Umbauten ja ausgelacht“, schmunzelt der Bayer. Heute regnet es dagegen Anerkennung, wenn er auf seinen Bikes durch die Gegend rollt. Dabei sind die Konstruktionen von absoluter Detailversessenheit bestimmt. „Ein Oldschooler muss nicht rattig sein“, erklärt Robert, der zum Beispiel 99 Prozent der verwendeten VA-Schrauben an seinem Bike von Hand polierte. Bevor es freilich an diese Kniffelarbeiten ging, stand der eigentliche Bau der Shovel.

Harley-Davidson Chop Bob

Große Räder vorn und hinten
Da Pistl auf alte Schule steht, verpflanzte er den 70er Jahre-Shovel-Motor in einen nochmal 20 Jahre älteren Wishbone-Starrrahmen. Was ihm das alte Fahrwerk bringt, wissen Insider. Auf Blinker und Spiegel darf wohlwollend verzichtet werden, ein Schutzblech suchen wir am Vorderrad vergebens. Nur hinten darf ein knackiges Triumph-Blech den 21-Zöller bedecken. Und damit alles schön gleichmäßig ist, entschied sich Pistl, am Frontend dieselbe Reifengröße zu verwenden. Während Motor und Fahrwerk weitgehend unberührt blieben, tobte sich unser Oberschwabe am Rest des Bikes konsequent aus. Und da Pistl auf seinen vielen Reisen durch Skandinavien immer wieder von den Bikes der Nordeuropäer fasziniert war, adaptierte er deren Sauberkeit auf seinen eigenen Chop-Job.Der Sportster-Tank wurde stark modifiziert, der Tunnel vergrößert und verlängert. Die Sicke schweißte er auf und zinnte die Schweißnähte neu.

Polieren, Polieren: Die langwierige Handarbeit trug zur Bauzeit von einem Jahre bein. So wurden zum Beispiel 99 Prozent aller Schrauben penibelst gewienert

Überhaupt unterzog er sämtliche Schweißnähte am Rahmen dieser Prozedur des Glättens und Verzinnens. Der Eigenbau-Öltank enthält auch das Batteriefach und einen integrierten Kabelkanal. Die Alurippendeckel goss Pistl zusammen mit Kumpel Beutel. Der Solositz ist ebenfalls in der eigenen Garage entstanden, die Lochnieten im Sitzbereich ein Hingucker. Die Griffarmaturen aus Holzimitat drehte Pistl ebenso selber wie er das Alugehäuse fürs motogadget-Instrument selbst fertigte. Oder die Nabenverkleidungen an den Speichenrädern oder die Elektrik oder sämtliche Halter und Anker, den Luftfilter, den Auspuff-Krümmer – too much to list trifft hier wirklich zu. Sämtliche Kabel und Leitungen sind natürlich innen verlegt. Nur bei der Farbwahl für sein Bike tat sich der Bayer schwer. Bis schließlich ein Dacia auf der Autobahn seinen Weg kreuzte. Dessen metallicbrauner Lack gefiel Pistl so gut, dass er ihn seiner Shovel ebenfalls spendierte. Selbst Apehanger und Gabelbrücken durften für ein rundes Bild ins braune Lackbad.

Harley-Davidson Chop Bob
 
Und selbstredend polierte und wienerte Pistl vor dem Roll-Out alle Teile seines „Chop Bob“ auf Hochglanz. „Insgesamt gingen mindestens 800 Arbeitsstunden bei dem Umbau drauf. Meine Frau findet das gar nicht lustig“, erklärt Pistl. Ihr zuliebe wird er sich von einem seiner drei Moppeds trennen, das hat er versprochen. „Aber eine Flathead würde ich schon noch gerne bauen“, erklärt er gleichzeitig. Bitte, liebe Frau vom Pistl, lass ihn machen. Er kann es wirklich!

Am Gasgriff
Pistls Umbau ist komplett getüvt, alle Specials sind eingetragen, dem alten Baujahr sei Dank. Apehanger, Trommelbremse und Starrrahmen verpflichten zu Gemütlichkeit, auf den schönen bayerischen Straßen eh kein Problem. Ein Bike zum genussvollen Cruisen

Technische Daten
Harley-Davidson FL | Bj. 1958
Erbauer: Robert Kneidl

Motor
V-Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler, 1207 ccm (Bohrung/Hub 82,5 x 112,7 mm)

Luftfilter: Eigenbau mit K&N Einsatz
Zündung: Unterbrecher
Auspuff: Eigenbau
Getriebe: Viergang, Handschaltung
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 55 PS bei 5700 /min
Drehmoment: 105 NM bei 3900 /min
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h

Fahrwerk
Wishbone-Doppelschleifen-Starrrahmen
Gabel: W&W Springer-Replika
Räder: vorn und hinten 40-Speichen-Räder mit 2.15 x 21
Bremsen: vorn Scheibe m. 2-Kolben und Umap-Sattel, hinten H-D-Trommel

Zubehör
Lenker: 40er Apehanger
Griffe: Eigenbau Holzimitat
Tank: Eigenbau
Sitzbank: Eigenbau
Armaturen: K-Tech/Eigenbau
Fußrasten: Eigenbau
Fender: Triumph

Metrie
Leergewicht: 240 kg
Radstand: 1580 mm

Text: Katharina Weber
Fotos: Volker Rost

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