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17.06.2017  |  Text: Katharina Weber  |   Bilder: Benjamin Grna
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First Class - Harley-Davidson Panhead


Andreas Halbrecht und seine Harley Panhead räumten in unserem CUSTOMBIKE-Wettbewerb 2011 ab und bestiegen den Custom-Thron. Auch wenn es schon wieder ein paar Jährchen her ist, seine Panhead ist einfach zeitlos


„Stell dich nicht so an“, die Ansage von Andreas’ Frau ist kurz, knapp und auf den Punkt. Sechs Monate hatte er immerhin an seiner Panhead gebastelt, getüftelt, geschwitzt. Damals zierte sich der Allgäuer so dermaßen, sein Mopped zu unserem jährlichen Custombike-Wettbewerb einzusenden. Vielleicht noch zu frisch die Erfahrung zwei Jahre zuvor, als er mit einer eingeschickten Custom-WLA nur mittelmäßig erfolgreich war. Doch was soll Mann machen, wenn Frau nicht locker lässt.

So sehen Sieger aus: Auf unserer Messe CUSTOMBIKE 2011 nahmen Andreas Halbrecht und seine Harley-Davidson FLH ihren Siegerpokal in Empfang
„Ich mag keine Bikes, die unter dem Deckmantel Oldschool laufen und nur aus Schrott bestehen. Gerade Alte Schule bedeutet doch eine saubere Arbeit“

Also findet Andys Pan doch den Weg in die Redaktion und schließlich mit Startnummer 039 auch den ins Heft. Den Rest erledigen unsere Leser. Mit ebenso klarer Ansage wie Andys Frau kürten sie den Oldschooler zum Sieger. „Ich freu mich wie Sau, das ist echt total unerwartet“, war der Woringer von den Socken, als wir ihn über seinen Sieg informierten. Dabei ist so ein Erfolg letztlich nur die Konsequenz einer langen Leidenschaft. 

Mit 12 bekommt Andy eine Hercules geschenkt, baut sie um, ist infiziert. Und fährt gerne schnell. Mit 16 der Führerschein, mit 18 die GSXR 750, danach eine 1100er Gixxer – eine Karriere, wie sie sicher viele von euch hinter sich haben. Und das Schrauben gehört immer dazu. Als der Nachwuchs kommt, legt unser Held drei Jahre Bike-Pause ein, danach gehts weiter: Ducati Monster, was Schnelles für zwischendurch.  Und doch ist da auch der Wunsch, mal richtig was zu Schrauben, was Altes am besten und am allerliebsten eine Panhead im Originalrahmen. Andy beginnt mit seiner Suche nach einer Basis und findet … nichts.

Harley-Davidson Panhead von Andreas Halbrecht

Nach eineinhalb Jahren vergeblicher Mühe kauft er günstig eine WLA, nimmt sich den Flatty zur Brust, Rest wie eingangs beschrieben. „Und dann ging plötzlich alles ganz schnell“, erzählt uns Andy. Von einem Kumpel erfährt er von einer Pan, die zum Verkauf steht. Andere bekommen auch Wind davon, es wird hektisch. In einer Blitzaktion plündert Andy sein Konto, informiert die Familie und schlägt zu. Durchatmen.

Der Aufbau läuft fast zu gut
Ohne einen einzigen Kilometer zu fahren, zerlegt Andy das Bike bis zur letzten Schraube. Alle Teile, die von altem Lack bedeckt sind, werden sandgestrahlt, neu pulverbeschichtet beziehungsweise lackiert. Den Motor überholt der Bastler komplett, spendiert neue Teile, modifiziert und überarbeitet alte, bessert nach und säubert. „Ich habe kein einziges Teil wieder angebaut, ohne es vorher zu bearbeiten, zu optimieren oder optisch aufzupeppen“.

Wie sonst erklären sich auffällig-unaufällige Details wie die kleinen Totenköpfe an den glänzenden Zylinderstreben, die vielen Halterungen und Anbauteile, die im eigenen Keller konstruiert und gefertigt werden, die selbst gedengelten Fender, eine eigenhändig verlegte Elektrik oder das Rücklicht aus einem anderen Klassiker, dem Ford Model A. Der Aufbau seines Traumbikes läuft für Andy wie geschmiert, „fast zu gut“, wie er gesteht. Als Custompainter Siggi Zimmer seine Endlackierung vornimmt, stecken in der Pan zwar 270 Arbeitsstunden, aber dafür steht auch ein quasi perfekter schmal-sportlicher Bobber in Andys Garage.

Harley-Davidson Panhead von Andreas Halbrecht

Nach fast 1000 Kilometern purem Starrrahmen-Fahrgefühl reißen knackende Geräusche aus dem Maschinenraum den stolzen Besitzer aus seinen Träumen. Bei der Demontage zeigt sich ein massiver Riss im hinteren Zylinderkopf. Eine Reperatur würde einen sehr großen Aufwand bedeuten. Ungefähr zu dieser Zeit rufen wir das erste Mal bei Andy an und fragen vorsichtig nach einem Fototermin. Immerhin liegt seine Pan in unserem Wettbewerb-Voting von Anfang an in den Top Five.
 
Ein letztes Mal muss es schnell gehen. Andy entscheidet sich, Repro-Zylinderköpfe von STD zu verbauen. Wieder gehen viele Stunden mit Basteln drauf, und wir scharren währenddessen mit den Hufen. Kurz bevor das Heft in die Druckerei ging, konnten wir endlich fotografieren. Am einzigen regenfreien Tage einer komplett wetterversauten Woche. Start-Ziel-Sieg auf der ganzen Linie. 

Technische Daten
Harley-Davidson FLH | Bj. 1950
Erbauer: Andreas Halbrecht

Motor
V-Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler, 
1207 ccm (Bohrung / Hub 82,5 x 112,7 mm)

Zylinderköpfe: STD überarbeitet
Kurbelwelle: Shovelhead
Ölpumpe: S&S
Vergaser: Dell ’Orto PHM 40
Luftfilter: Knuckle-Gehäuse V2A ohne Filter
Zündung: Mallory Unilite
Auspuff: 3-Piece side by side Krümmer
Kupplung: Suicide Clutch
Getriebe: Viergang, Jockey-Shift, Kickerpedal
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 55 PS bei 5700 /min
Drehmoment: 105 NM bei 3900 /min
Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h

Fahrwerk
H-D Wishbone Doppelschleifen-Starrrahmen

Gabel: Springer
Räder: vorne und hinten 3 x 16“ mit 5.00-16 Weisswandreifen
Bremsen: vorne Springerbremse mit Grimeca-Handbremszylinder, hinten SSC Ritzelbremse

Zubehör
Tank: H-D Sportster mod.
Lenker: HD-Speedster inline
Instrumente: MMB mini
Rücklicht: Ford Model A Duolamp
Fußrasten: Trittbretter
Fender: Eigenbau
Elektrik: Eigenbau
Kennzeichenhalter: Eigenbau
Lackierung: Experience Colours

Metrie
Leergewicht: 250 kg
Radstand: 1565 mm

Text: Katharina Weber
Bilder: Benjamin Grna

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Ausgabe 9/17 erscheint am 25. August

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Stand:25 July 2017 20:24:53/bikes/first+class+-+harley-davidson+panhead_176.html