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10.08.2017  |  Text: Katharina Weber  |   Bilder: Benjamin Grna
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Eigenbau: Triumph TRW 500


Auf unserer CUSTOMBIKE-SHOW dürfen wir jedes Jahr einen ganz eigenen Pokal vergeben und damit das Lieblingsbike unserer Redaktion küren. Die Entscheidung im Jahr 2015 fiel uns nicht schwer, denn wir hatten schnell erkannt, wieviel Arbeit und Liebe in Michael Glasers Triumph TRW steckt



So richtig viel hat Micha vorher nicht umgebaut. Klar, Motorräder waren immer da, erst Schwalbe und MZ, später immer moderner hin zu fetten Rennmaschinen. »Vor zehn Jahren rum, da habe ich einen Streetfighter gebaut, der war in der Zeitung und ich stellte das Ding seinerzeit auf der Fighterama aus«, erzählt der 38-jährige aus Lauta in Sachsen. Das Bike hat er noch, eine schöne Erinnerung an die wilde Zeit. Die Alltagsmotorräder wurden danach gemäßigter und der Wunsch nach einem erneuten Umbau stärker. Geplant ist der Kauf der Triumph nicht direkt, aber so in die Richtung sollte es schon gehen. Harleys schön und gut, aber die aufgerufenen Preise sind nicht das, was Micha zu zahlen bereit ist. So hält er Ausschau nach was anderem und findet schließlich in Belgien eine Triumph, die mal so gar nicht gewöhnlich ist. Während Oldschooler gern auf Bonneville, Tiger und Co. setzen, entscheidet sich unser Mann für die TRW, eine alte englische Militärmaschine, seitengesteuerter Zweizylinder-Motor und Starrrahmen von Haus aus.

Eigenbau: Triumph TRW 500

Bevor es an den Umbau geht, ist der Motor fällig. Achim, ein ehemaliger Arbeitskollege, erweist sich als der Richtige für den Job. Er baut schon lange an Motoren, öffnet den Viertakter sanft. Viel muss die alte Dame gar nicht bekommen. Das Motorgehäuse wird neu lackiert, dazu neue Ventile, Ventilsitze und Dichtungen. Klingt einfach, ist es aber nicht. »Ich musste die Teile in den USA bestellen. Komischerweise gabs da in England nichts.« Sogar ein spezielles Ventilausdrückwerkzeug ordert Micha in den Staaten, anders hätte er die Dinger nicht rausbekommen. Die Belohnung folgt, als der Motor das erste Mal wieder anspringt. Sauber und rund läuft er, bis heute.Da ist die Entscheidung für den Umbaustil schon schwieriger, »ich wollte auf keinen Fall einen klassischen Bobber bauen«, erzählt er. Nur schön tief und sehr kompakt sollte das Bike werden, der letztliche Style wächst beim Bauen. Ein paar Teile haben daran maßgeblichen Anteil. Da wäre zum einen die auffällige Trapezgabel. Micha kauft sie im Internet, Herkunft unbekannt. Sie erinnert aber stark an die frühen DKW-Modelle, die fuhren auch so durch die Gegend. Die Gabel passt selbstverständlich nicht direkt ans Bike, sehr viel Arbeit steckt dahinter, sie anzupassen. Steuerrohr und Lagerschalen müssen aufwendig geändert werden, den Mountainbike-Dämpfer – ein eigentlich hinterer der Marke Fox – voll funktionsfähig zu verbauen, stellt Micha vor große Herausforderungen. Mit Hilfe seiner Freunde Raik,Tony,Daniel und Robert schafft er es. Die vier Jungs erweisen sich überhaupt als Glücksfall, unterstützen Micha sehr. Zumal zwei von ihnen Metallberufe Haben, während Micha eigentlich im Hauptberuf »nur« Autolackierer ist.

Der hintere Dämpfer eines Mountainbikes kommt in der Front der Triumph zum Einsatz

Auch die Räder sind speziell. Micha entscheidet sich bei der Front für eine 19-Zoll-Harleyfelge mit Spoolhub-Nabe. Die hat keine Halterung für eine Bremse, ganz getreu dem Stil der amerikanische 70er-Jahre-Customszene. Diese Jungs hatten sich den überflüssigen Schnickschnack kurzerhand abgeflext um eine möglichst schmale Gabel nutzen zu können. Micha will breite Speichen einsetzen, rechnet genau aus, was für Speichen passen und wieviele er davon braucht. Vorm Einspeichen müssen noch eigene Distanzhülsen angefertigt werden. Beim Hinterrad dasselbe Spiel, dort sind die Speichen noch einen Tacken breiter als vorn.

Vorm Einspeichen wird gerechnet, damit der Erbauer genau weiß, welche Speichen passen und wievile er für die Harleyfelge benötigt

Nächste Herausforderung wird der Tank. Dass der von einer Simson SR2 stammen würde, war gesetzt, »einfach ein geiler Tank«, wie Micha sagt. Allerdings besteht große Arbeit darin, den Öltank, der aus optischen Gründen gewichen war, ins Spritgefäß zu integrieren. So wird der Tank mit den Freunden in zwei Hälften geteilt und ein Blech eingeschweißt, das Öl und Benzin trennt. Für die cleane Optik hatte Micha alle Halterungen am Rahmen entfernt, die neuen Tankhalterungen wandern unters Gefäß, nahezu unsichtbar. Dazu wird ein Pop-Up-Deckel eingelassen. Clean auch der Lenker, der den Gaszug innenliegend führt. »Die beste Option für die Optik des Bikes«, erklärt Micha. Bleibt als letzter Schritt die Lackierungder Fachmann ist in seinem Element. Rahmen und Speichen glänzen nun Gold-Orange. Tank, Lampe und Fender in Javagrün, kombiniert mit Schwarz und Weiß. Die Lackierung ist der letzte gelungene Schritt zu einem in sich stimmigen Motorrad, hier passt einfach alles zusammen. Das macht Bikes zu Lieblingsbikes, letztlich auch für Redakteure von Custommagazinen.


Techno

Triumph TRW 500, BJ 1953
Erbauer: Michael Glaser

Motor: Zweizylinder-Viertaktmotor, sv-Zweiventiler, 499 cm (Bohrung/Hub 63 x 80 mm)
Gehäuse: lackiert
Auspuff: Eigenbau
Sekundärtrieb: Kette
Getriebe Viergang, Kicker
Leistung: 16 PS bei 5000/min
Drehmoment: 29 Nm bei 3000/min

Rahmen: Triumph-Einschleifen-Starrrahmen, gecleant
Gabel: Trapezgabel, mod.
Dämpfer: Fox-Mountainbike-Dämpfer
Räder: Speichenräder, vo. 19 Zoll-Spoolhub, hi 19 Zoll
Reifen: vo. und hi. Avon Speedmaster
Bremse: vo. keine, hi. Trommel

Tank: Simson SR2 mit integriertem Öltank
Sitzbank: Eigenbau
Lenker: Eigenbau
Kupplung: Motocross Sunline
Lampe: Simson SR2
Fender: Eigenbau
Kennzeichenhalter: Eigenbau
Paintjob: Michael Glaser

Leergewicht: 160 kg
Radstand: 1460 mm

Text: Katharina Weber
Bilder: Benjamin Grna

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Ausgabe 11/17 erscheint am 27. Oktober

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Stand:18 October 2017 07:50:04/bikes/eigenbau+triumph+trw+500_178.html