BSA – Mrs. Robinson

13.11.2017  |  Text: Katharina Weber  |   Bilder: Benjamin Grna
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BSA – Mrs. Robinson
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Ein Deutscher baut in Österreich eine englische BSA – das konnte ja nur heiter werden
Mitte 2009 sieht Niko zufällig eine Triumph im Internet. Er weiß nicht, dass es eine Bonneville ist und auch nicht, dass man den Umbaustil des Bikes »Bobber« nennt. Das ändert wenig daran, dass ihm das Motorrad nicht mehr aus dem Kopf geht, er fängt an zu recherchieren. Schnell wird klar, die Bonnie ist nix von der Stange und Niko bekommt Bock aufs Schrauben.

Zwar ist der Mann noch zu Studienzeiten ein bisschen Moped gefahren – damals eine Yamaha XS 400 – aber außer einem Motor­tausch hat er nicht viel gemacht, zumal Selberbauen auch Zeit und Kohle bedingt. Beides ist seinerzeit nicht massig vorhanden. Nun eine neue Situation in einem anderen Land. Aus beruflichen Gründen ist Niko nämlich in Österreich gelandet, eine eigene Werkstatt besitzt er nicht. Und weil die für die angedachte Bastelei dringend notwendig ist, wird sie als Erstes gesucht.



Zusammen mit einem Kollegen wird der Findungsprozess konkreter, die anvisierten Objekte im Raum Wiener Neustadt sind aber allesamt zu groß und damit zu teuer. Findige Schrauber helfen sich in so einem Fall mit der Erweiterung des interessierten Kollegenkreises. Am Ende mieten sie zu fünft eine 100-Quadratmeter-Halle und statten sie mit den Basics aus. Mission one completed, die Suche nach einem Basisbike kann beginnen.

Starrrahmen Pflicht, Britbike Pflicht, Ernüchterung vorprogrammiert. »Schnell habe ich erkannt, dass die Bonnevilles heiß begehrt sind«, erzählt Niko, »und außerdem fast zu schade zum Zerschneiden.« Auf seinen Recherchetouren durchs Netz stößt Niko aber auf die Jungs von Southern Division aus München. Die handeln nicht nur mit Britbike-Teilen, sondern sind auch höchst auskunftsfreudig und hilfsbereit.



Als die Jungs irgendwann eine BSA reinbekommen, die vom Aufbau ähnlich der erträumten Triumph, aber wesentlich günstiger ist, bieten sie Niko das Bike an. Noch kaufpreisdrü­ckender wirkt sich überdies der Vorschlag aus, die überflüssigen Teile für den eigenen Shop zu behalten. Kann man fast nicht ablehnen, tut Niko auch nicht. Außerdem verhalten sich die Münchner schwerst offen gegenüber den Ideen des neuen Besitzers.

»Keine Spur von Originalfetisch und nervigen Statements«, freut der sich noch heute, Deal eingetütet. Karsten Johne, der Chef der Münchner Firma, erklärt sich außerdem bereit, dem Schrauberanfänger den Starrrahmen aufzubauen. Aus selbstgebogenem Rohr wird das neue Heck angepunktet, ein paar Monate nach Kauf bekommt Niko so ein fertiges Rolling Chassis, bestehend aus Rahmen, Reifen, Motor und Lenker, ein paar passende Schutzbleche noch obendrauf. Und weil eine Hand die andere wäscht, bezieht der Exil-Österreicher auch später noch viele Teile aus Bayern, dazu kommt eBay als Quelle für Puch-Tank, Öltank und andere Kleinigkeiten.



Und so macht sich der völlig Ahnungslose, wie Niko sich selbst rückblickend bezeichnet, ans Werk. Eine Verlagerung des Geschmacks verdankt er dem eigenen Kopf und auch ein bisschen unserem Magazin. Wer viel CUSTOMBIKE liest, ändert eben auch mal die Denkrichtung, seid gewarnt. Von der ursprünglichen erdachten Triumph bleibt nur eine kleine Blase im Kopf. Und auch die Ahnung davon, was es braucht, um ein Motorrad halbwegs legal auf die Straße zu bekommen, ist sicher hilfreich.

So wächst die BSA von der Idee bis zur Straße, und der Erbauer wächst mit. »Besonders befriedigend fand ich den Umstand, aus dem was gerade zur Verfügung stand etwas aufzubauen«, Niko hat schnell verstanden, warum Selberschrauben so was Tolles ist. Er geht während der Aufbauzeit nicht ein einziges Mal in einen Baumarkt, um irgendwelches Metall zu kaufen, alles kommt aus dem eigenen Basislager – »mit einem unbegrenzten Budget und dem Riesenangebot an Zubehör wäre ich sowieso heillos überfordert gewesen«, gibt er zu.



So hauen die eigenen Schweißarbeiten von Haltern und anderem Kleinkram meistens irgendwie hin, und wenn nicht, sind fähige Freunde in der Nähe. Spezialgebiete wie Motorüberholung samt Ventilführung erneuern und Zylinder aufbohren übernehmen so die Könner. Auch das Grundla­ckieren überlässt er dem Profi, probiert sich dagegen beim Tank mit Schriftzug selbst. Nur am Ende kommt nochmal eine nicht unwesentliche Kleinigkeit aus München. Ein TÜV-Prüfer aus der Bayernhauptstadt verpasst Niko und seiner englischen Lady die Plakette, ein verdientes Happy End.

Am Gasgriff
Williges Hochdrehen und höhere Drehzahlen verdankt der BSA-Twin entgegen anderen englischen Klassikern wie Triumph oder Norton seiner Kurzhubigkeit. Fürs ganz Grobe nimmt man so eine feine Dame trotzdem nicht her, denn Bremsen und Fahrwerk sind eben »nur« alter Stand.

Technik
BSA A10 Golden Flash | Bj. 1957
Erbauer: Niko Daroussis

Motor
Zweizylinder-Viertaktmotor, ohv-Zweiventiler,
654 ccm (Bohrung/Hub 75 x 74 mm)

Vergaser: Amal
Luftfilter: offen
Kupplun: Lamelle
Sekundärtrieb: Kette
Leistung: 35 PS bei 5500 /min
Drehmoment: 47 Nm bei 3000 /min
Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h

Fahrwerk
Doppelschleifenrahmen, starr

Gabel: BSA
Räder: vorn und hinten 4,0 x 19
Reifen: vorn und hinten Heidenau K34
Bremsen: vorn und hinten Trommel

Zubehör
Tank: MZ BK 350
Sitzbank: Puch SG
Lenker: Superbike
Armaturen: Southern Division
Instrumente: Amp-Meter
Lampe: Southern Division
Rücklicht: Puch SG
Schutzbleche: Southern Division

Metrie
Leergewicht: 185 kg
Radstand: 1470 mm

Info
www.southern-division.de
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